Skepsis

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Obwohl es viele Religionen in der Welt gibt, haben diese gewisse Gemeinsamkeiten. Fast alle glauben an die Existenz eines vollkommenen und gerechten Schöpfers. Alle bemühen sich, Gott zu gefallen. Das Problem der Religionen ist jedoch, dass die Bemühungen ihrer Anhänger nicht unbedingt dem Maßstab der göttlichen Vollkommenheit entsprechen. Es besteht eine riesige Kluft zwischen dem, was Gott in seinen Geboten verlangt, und den Leistungen der Menschen. Der Apostel Paulus macht in seinem Brief an die Römer deutlich, dass die 10 Gebote zwar Gottes Gerechtigkeit offenbaren, aber gleichzeitig auch unsere Verfehlungen. Wenn wir ehrlich sind, verurteilt uns unser Gewissen, weil wir diese Gebote nicht halten können.
Die Gute Nachricht ist, dass Jesus Christus unser Retter ist. Er hat durch sein perfektes Leben Gottes Gerechtigkeit an unserer Stelle erfüllt und hat den Lohn für unsere Sünde am Kreuz bezahlt. Paulus schreibt deshalb: Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn (Römer 6,23).

Ist der Glaube an Gott ein Schritt ins Ungewisse? Sind Glaube und Vernunft unvereinbar?
Sicherlich nicht, wenn wir von dem Glauben an den Gott der Bibel sprechen. Das Neue Testament gebraucht für einen solchen Glauben das griechische Wort pistis. Dieses Wort bedeutet Vertrauen, Überzeugungsein Leben an etwas binden. Es ist etwas ganz anderes als zu sagen: Ich glaube, oder ich vermute, dass das Wetter am Wochenende schön sein wird.

Im Neuen Testament geht der Hebräerbrief sogar einen Schritt weiter und gibt uns folgende Definition des Glaubens: Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht siehtDer Glaube hat zwei Bestandteile: Hoffnung und Gewissheit. Man hofft auf die Verheißungen, die der Gott der Bibel uns durch seinen Sohn Jesus Christus gegeben hat. Man hat die Gewissheit, dass dieser Gott existiert und die Geschichte der Menschen lenkt.

Es gibt gute und vernünftige Gründe an einen Schöpfergott zu glauben. Es ist dagegen unvernünftig zu behaupten, dass die Welt zufällig entstanden ist. Der Apostel Paulus sagt in seinem Brief an die Römer: Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt (Römer 1,20). Die Naturgesetze sind ein eindeutiger Beweis dafür, dass ein intelligenter und allmächtiger Gott die natürliche Welt erschaffen hat. Würde Gott nicht existieren, könnte man nicht vernünftig erklären, wie intelligentes Leben entstanden ist. 

Der christliche Glaube stützt sich nicht allein auf diese Erkenntnis, sondern vor allem auf das Zeugnis der Bibel. Zentrales Thema dieses Buches ist Jesus Christus. Es ist erstaunlich zu lesen, dass die Menschwerdung des Sohnes Gottes in zahlreichen Stellen des Alten Testaments vorausgesagt wurde. Jesus hat zu den Juden gesagt: Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist's, die von mir zeugt (Johannes 5,39).

Die 12 Apostel sind zuverlässige Zeugen der Existenz Jesu. Petrus sagt in seinem 2.Brief: Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen. Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen (2 Petrus 1,16-19).

Jesus Christus ist drei Tage nach seinem Tod am Kreuz auferstanden. Paulus schreibt in seinem 1. Korintherbrief, dass er folgendes weitergegeben hat: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen. Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln. Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden (1 Korinther 15,3-8).

Biblischer Glaube ist wohl vernünftig. Wer an Christus glaubt, schaltet nicht sein Gehirn aus, sondern gleicht einem Menschen, der ein Haus baute und grub tief und legte den Grund auf Fels (Lukas 6,48).

Der Gedanke, dass Gott eine reine Erfindung der Kirche wäre, kann man den sogenannten Verschwörungstheorien zuordnen. Eine solche Behauptung macht wenig Sinn:

  • Der Glaube an Gott ist ein universales Phänomen. In vielen Kulturen der Welt wird seit Jahrtausenden an einen Schöpfergott geglaubt (Theismus). Behaupten, dass im Laufe der Geschichte die christliche Kirche alle diese Kulturen beeinflusst hätte, ist unhaltbar.
  • Es gibt Theorien, wie zum Beispiel die aus dem bekannten Roman von Dan Brown Sakrileg (Da Vinci Code), dass die Kirche die wahre Geschichte der frühen Christenheit verfälscht hätte. In Wirklichkeit enthalten diese Theorien falsche Behauptungen und lassen klare Beweise, die dagen sprechen, völlig außer Acht.

Wir können mit Sicherheit sagen, dass die Evangelien, die wir heute besitzen, zuverlässige Dokumente sind und deshalb vertrauenswürdig. Judas, der leibliche Bruder Jesu, lädt die Christen ein, sich für den Glauben einzusetzen, der ein für alle Mal den Heiligen überliefert ist (Judas 3). Er will damit sagen, dass in er Urgemeinde ein klarer Konsens herrschte, als es um die Person und die Mission Jesu ging.

Diese Frage ist mit Sicherheit eine berechtigte Frage und nicht leicht zu beantworten. Wie kann ein weiser und guter Gott Kriege oder Naturkatastrophen zulassen, die unschuldige Kinder töten? Spricht die Tatsache, dass solche Dinge immer wieder passieren, nicht dafür, dass wir in einem Universum leben, das vom Zufall regiert wird?

Die Bibel gibt keine endgültige Antwort zu der Frage, weshalb es so viel Übel gibt. Das Böse ist auf jeden Fall eine Folge der Sünde. Menschen verursachen Kriege und Naturkastastrophen sind oft Gerichte, die Gott übt, um sie zu bestrafen. Kein Mensch kann behaupten, dass er keine Verantwortung trägt. Denken wir zum Beispiel an die Ursachen der globalen Erwärmung! Die Bibel betont, dass die Menschen allesamt Sünder sind und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten (Römer 3,23). Die Konsequenz der Sünde ist nicht nur der leibliche Tod, sondern auch ewige Trennung von Gott. 

Wir lernen, dass Gott das Problem gelöst hat, indem er seinen Sohn in die Welt gesandt hat. Jesus Christus hat dem Tod (dem Übel) seine Macht genommen. Er ist am Kreuz für die Sünden der Menschen gestorben. Wer an ihn glaubt, wird gerecht gesprochen und empfängt ewiges Leben. Der Römerbrief betont: Wie nun durch die Sünde des Einen die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt (Römer 5,18).

Es stimmt, dass viele Hassprediger zum "heiligen" Krieg aufrufen und zahlreiche Konflikte einen religiösen Hintergrund haben, aber zu behaupten, dass die Religion die meisten Kriege verursacht, ist einfach falsch. Kriegsverbrecher wie Hitler, Stalin oder Pol Pot waren keine Gläubige. Hat Jesus Christus nicht gesagt: Wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen? Die Hauptursache für Krieg ist in Wirklichkeit das böse Herz des Menschen. Der Mensch handelt oft aus Gier, Neid und Stolz. Das sind die wahren Gründe für den Krieg. Es is auch wichtig zu verstehen, dass Religion auch nicht vermag, das böse Herz der Menschen zu verändern. Es muss etwas außergewöhnliches in dem Menschen passieren. Jesus Christus hat zu einem religiösen Führer des Volkes Israel einmal gesagt: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen (Johannes 3,3). Echter Glaube, der zum Frieden führt, muss uns von Gott geschenkt werden. Es ist nicht das Resultat von menschlichen Anstrengungen, sondern der Gnade Gottes.

Karl Marx hat einmal gesagt: die Religion ist das Opium des Volkes. Er meinte damit, dass die Religion Ausdruck des gesellschaftlichen Elends ist und gleichzeitig als Mittel dient, das Volk zu unterdrücken. Marx bezog sich zum Teil auf Feuerbach, der behauptete, Gott sei nach dem Bilde des Menschen geschaffen worden und nicht umgekehrt.

Es stimmt schon, dass Religion in manchen Fällen nur ein Ausdruck unserer inneren Wünsche ist, aber das gilt nicht immer. Wir sind der Meinung, dass der biblische Glaube eine objektive Grundlage besitzt und dass viele Christen, die an Jesus Christus glauben, sehr starke Persönlichkeiten haben, Gutes tun und ihre Umwelt positiv beeinflussen. Der Apostel Paulus war ein solcher Mensch. Er sagt von sich selbst:  Denn die Liebe Christi drängt uns, zumal wir überzeugt sind, dass, wenn "einer" für alle gestorben ist, so sind sie "alle" gestorben. Und er ist darum für alle gestorben, damit, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist (2 Korinther 5,14-15).

Der Gedanke, dass man sein Leben völlig im Griff haben kann, ist falsch und gefährlich zugleich. Jesus hat einmal die Geschichte von einem reichen Kornbauer erzählt: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott (Lukas 12,16-21).

Wenn Gott unser Schöpfer ist, ist er auch unser Herr, vor dem wir uns verantworten müssen. Gott ruft uns auf, unsere sinnlosen Gedanken aufzugeben, an ihn zu glauben und ihm zu gehorchen. 

Wir hören oft, dass Christen nicht mehr unter dem Gesetz sind. Diese Behauptung ist richtig, denn Paulus betont in Römer 6,14:

Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, weil ihr ja nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.

Gesetz und Gnade (d.h. Evangelium) vertragen sich nicht: das Eine fordert etwas von uns, die Andere verspricht uns etwas. Auch in seinem Galaterbrief sieht Paulus Geist (Synonym von Gnade) und Gesetz als gegensätzlich: 

Regiert euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz.

Heißt es deshalb, dass ein Christ mit dem Gesetz nichts mehr zu tun hat? Ist er ein "Gesetzloser", weil der Geist Gottes in ihm regiert?

Ich denke, hier liegt ein wichtiges Missverständnis vor. Dass der Christ nicht mehr "unter" dem Gesetz ist, bedeutet keineswegs, dass das Gesetz in unserem Leben nichts mehr zu sagen hat.

Es ist deshalb wichtig, dass wir uns fragen: Wozu gibt es das Gesetz? Welche Rolle oder welchen Gebrauch hat es noch?

Die Heilige Schrift erwähnt drei Anwendungen oder Gebräuche des Gesetzes:

  1. Das Gesetz zeigt uns unsere Ungerechtigkeit und führt uns zu Christus.
  2. Das Gesetz verhindert die Ausbreitung der Gesetzlosigkeit in der Welt.
  3. Das Gesetz zeigt dem Christen wie er Gott gefallen kann.

Das deutsche Wort Evangelium kommt von dem griechischen Euangelion und bedeutet Siegesnachricht. Der Begriff kommt aus dem Militärvokabular und wurde verwendet, als es darum ging, einen Sieg über die Feinde zu verkünden. Die Autoren des Neuen Testament machen sich das Wort zu Eigen, um den größten Sieg der Geschichte zu verkünden: den Sieg Jesu Christi über die Sünde und den Tod.

Evangelium

Aber was ist das Evangelium genau? Es gibt heute viele Definitionen davon. Man hört zum Beispiel, dass Christen das Evangelium leben sollen. Sie sollen sich nach dem Vorbild Jesu verhalten. Dass wir Jesus nachahmen sollen, ist sicherlich richtig, aber das ist nicht das Evangelium. Bei der Guten Nachricht geht es nämlich um Dinge, die Jesus Christus selbst für uns getan hat und die wir nicht wiederholen können. Wir werden aufgefordert, an diese Taten zu glauben, weil sie für uns lebensnotwendig sind. Dabei geht es nicht in erster Linie um das jetzige Leben, sondern um das ewige Leben bei Gott.

Das Evangelium sagt die Wahrheit über Gott, über uns selbst, über Christus und über die Errettung.

Die Wahrheit über Gott

Was wissen wir über Gott? Wir würden sehr wenig über ihn wissen, wenn die Bibel uns nicht berichten würde, wer Gott ist und wie er in der Geschichte handelt. Gott offenbart sich als der allmächtige Schöpfer des Universums. Seit Ewigkeit her ist er vollkommen gut, heilig und gerecht. Dass er allmächtig und Schöpfer aller Dinge ist, fällt sofort auf, wenn wir die Natur betrachten (Römer 1, 20). Die Bibel sagt aber auch, dass Gott ein heiliger Gott ist. Er ist heilig, d.h ganz anders als wir uns vorstellen können und ihn können wir nicht manipulieren. Wir dürfen ihn nicht auf den Status eines Idols herabsetzen. Das ist das, was im Vater Unser gemeint ist, wenn wir beten: Dein Name werde geheiligt.

Der Römerbrief ist nicht wegen seiner Länge, sondern aus theologischer Sicht, der wichtigste Brief des Apostels Paulus. Man erzählt, dass Martin Luther durch diesen Brief zum Glauben gekommen ist. Paulus erklärt in diesem Brief das Evangelium, die Gute Nachricht von Jesus Christus.

Paulus schreibt den Römerbrief aus Korinth, im Jahre 57, während seiner dritten Missionsreise. Er hat sich vorgenommen, die Gemeinde in Rom zu besuchen, bevor er nach Spanien reist. Diese Gemeinde hat er selbst nicht gegründet, hat aber viel Gutes von ihr gehört. Sein Wunsch ist deshalb, den Christen in Rom das Evangelium zu entfalten. Er fasst seine Lehre des Evangeliums im Vorfeld in einem langen Einschub (vom Kap 1, Vers 18 bis Kap 11, Vers 36), bevor er im Kap 12 zur Praxis kommt. Für Paulus kann es keine wahre Glaubenspraxis geben, wenn man das Evangelium nicht vorher verstanden hat.

Rom

Der Römerbrief gliedert sich wie folgt:

  • Gottes Gerechtigkeit wird im Evangelium offenbart (1,1-17)
  • Gott ist zornig auf die Sünder (1,18 - 3,20)
  • Gottes Gerechtigkeit in Jesus Christus gilt für Juden und Heiden (3,21 - 4,25)
  • Die Gerechtigkeit aus Glauben schafft Hoffnung (5,1 - 8,39)
  • Gottes Gerechtigkeit und die Zukunft Israels (9,1 - 11,36)
  • Gottes Gerechtigkeit im Alltag (12,1 - 15,13)
  • Der Fortschritt des Evangeliums durch Paulus Mission (15,14 - 16,24)
  • Schlusswort (16,25-27)

Funf Solas auf Mauer

Als Reaktion auf die Behauptung der römisch-katholischen Kirche, die einzig wahre Kirche zu sein und als solche die apostolische Autorität zu besitzen, haben die Reformatoren des 16. Jahrhunderts ihre theologischen Prinzipien in folgenden Mottos zusammengefasst.

  1. Allein die Heilige Schrift (Sola Scriptura)
  2. Allein Christus (Solus Christus)
  3. Allein die Gnade (Sola Gratia)
  4. Allein der Glaube (Sola Fide)
  5. Gott allein die Ehre (Soli Deo Gloria)

Wir als Immanuelgemeinde Worms sind der Überzeugung, dass diese Prinzipien gar nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Wir wollen  deshalb unseren Glauben auf dieser Grundlage bauen.

Was bedeutet Sola Scriptura (Allein die Schrift) ?

Die römisch-katholische Kirche hielt sich und hält sich immer noch für die höchste Autorität und unfehlbar, wenn es um Glaubensfragen geht. Das heißt, das Lehramt der Kirche (mit dem Papst und den Bischöfen) steht praktisch über der Heiligen Schrift und bestimmt, wie man die Schrift interpretieren soll. Für die Katholiken genügt die Bibel dem Glauben zwar (2Tim. 3,16) aber sie ist nicht deutlich genug, dass jeder sie richtig verstehen kann (2Petr. 3,16). Dagegen argumentierten die Reformatoren, dass die Bibel klar genug ist (Ps. 119, 130) und sich selbst interpretieren lässt. Das heißt selbstverständlich nicht, dass wir keine Hirten und Lehrer in der Gemeinde brauchen; das bedeutet, dass ein Christ mit der Hilfe des Heiligen Geistes rechnen kann, wenn er/sie die Bibel liest (1Joh. 2,27). Die Lehrämter der Gemeinde sind nicht unfehlbar und müssen immer unter der Autorität des Wortes Gottes stehen.

Die Bibel ist also norma normans (sie normiert alles andere) und Was wir glauben bleibt norma normata (eine von der Schrift normierte Norm).

Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt. 2 Timotheus 3, 16-17

Daraus resultiert, dass die Bibel Wort Gottes ist, und als solches unfehlbar. Was wir in unserer Gemeinde genau darunter verstehen, ist in unserem Glaubensbekenntnis genauer formuliert.

Was bedeutet Solus Christus (Allein Christus) ?

Es war auch die Lehre der römisch-katholischen Kirche, dass ein gläubiger Mensch nicht nur den Sohn Gottes, sondern auch andere Mittler braucht, um Gottes Gnade zu empfangen. Diese Mittler sind z.B. die Jungfrau Maria und die Heiligen, die für uns durch ihre Gebete ein gutes Wort bei Gott einlegen sollen.

Für die Reformatoren wie für uns hilft nur, was Jesus Christus verdient hat. Sein vollkommener Gehorsam und sein Sühneopfer reichen vollkommen, um uns Gottes Gnade zu sichern. Wir brauchen keine anderen Mittler.

Denn es ist "ein" Gott und "ein" Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, dass dies zu seiner Zeit gepredigt werde. 1 Timotheus 2, 5-6 

Was versteht man unter Sola Gratia (durch Gnade allein) ?

Die römisch-katholische Kirche lehrt, dass der Mensch trotz seiner Schwachheit bei seiner Erlösung mitwirken kann. Wenn Gott einem Menschen seine Gnade zuvorkommend schenkt, kann dieser Mensch sie ablehnen oder von sich selbst mit Glauben antworten. Dabei ist die römische Kirche nicht die einzige, die so etwas glaubt; viele evangelikale Gemeinde vertreten heute ein solche Lehre. Die Reformatoren lehnten sie ab und betonten, dass die Erlösung ein reines Geschenk Gottes ist, wo der Mensch nicht mitwirken kann. Da der Mensch in seiner Sünde "geistlich" tot ist, muss er vorher "wiedegeboren" werden. Sein Verstand, sein Herz und sein Wille müssen zuerst erneuert werden, bevor er irgendwelches Gespür für Gott haben kann.

Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden -; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen. Epheser 2, 4-10

Was versteht man unter Sola Fide (durch Glauben allein) ?

Martin Luther sagte von diesem Motto: Es ist der Glaubensartikel mit dem die Kirche steht oder fällt. Auf diesem Artikel ruhte für ihn die ganze Rechtfertigungslehre.

Die römisch-katholische Kirche betonte ausdrücklich, dass Glaube allein nicht ausreicht, um gerettet zu werden. Dazu sind nach Jak. 2,14 auch gute Werke nötig. Dagegen antworteten die Reformatoren, dass gute Werke zwar unerlässlich sind, aber nicht zu unserem Heil beitragen können, da sie unvollkommen sind. Wir können nur gerettet werden, wenn wir im Glauben die Gerechtigkeit annehmen, die Christus uns erworben hat. Ein solcher Glaube ist kein toter Glaube, sondern wird durch den Heiligen Geist gewirkt und bringt gute Werke hervor.

So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben. Römer 3, 28

Doch weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht. Galater 2,16

So war es mit Abraham: »Er hat Gott geglaubt und es ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden«. Erkennt also: die aus dem Glauben sind, das sind Abrahams Kinder. Die Schrift aber hat es vorausgesehen, dass Gott die Heiden durch den Glauben gerecht macht. Darum verkündigte sie dem Abraham: »In dir sollen alle Heiden gesegnet werden.« So werden nun die, die aus dem Glauben sind, gesegnet mit dem gläubigen Abraham. Denn die aus den Werken des Gesetzes leben, die sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben: »Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, dass er's tue!« Dass aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar; denn »der Gerechte wird aus Glauben leben«.  Galater 3, 6-11

Was bedeutet Soli Deo Gloria (Gott allein die Ehre) ?

Die Reformatoren wehrten sich mit aller Kraft gegen die Idee, dass neben Gott und Jesus Christus Menschen, auch Heilige, irgendwelche Ehre empfangen können. Weil Gott allein unsere Erlösung bewirkt, gehört die ganze Ehre nur Ihm allein.

Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.  Römer 11, 36