Die Psalmen

Das Buch der Psalmen (man sagt auch oft Psalter) ist eine Sammlung von 150 Gedichten. Das Wort "Psalm" kommt aus dem griechischen "psalmos" und übersetzt das hebräische Wort "mizmor" (Lied). Die Psalmen sind in der Tat Lieder, die zum Lob Gottes geschrieben wurden. Sie wurden oft im Tempel, im Rahmen des Gottesdienstes, gesungen. Wir lesen zum Beispiel in ersten Buch Chronik, dass König David musikalisch begabte Männer wie die Söhne Asafs, Hemans und Jedutuns dazu bestimmt hatte, Gott zu loben (1 Chr. 25,1)

Psalmen

Der hebräische Name des Buchs ist "Tehilim", d.h. "Hymnen" oder "Loblieder". Damit ist klar, zu welchem Zweck die Psalmen geschrieben worden sind: um Gott zu loben. Dass sie keinem strengen liturgischen Muster entsprechen, sondern diverse Arten von Emotionen ausdrücken, zeigt auch, was wir unter Anbetung verstehen sollen: Anbetung geschieht, wenn der Mensch sein Herz vor Gott öffnet und staunt vor seiner Majestät.

In den Psalmen kommen viele Typen von Gefühlen zum Ausdruck: Liebe zu Gott, Vertrauen, Staunen, Hingabe, Dankbarkeit... In vielen Psalmen möchte auch der Psalmist seine Reue wegen seiner Sünden, so wie Gedanken der Angst und des Zweifels offen legen.

Die Psalmen haben auch einen prophetischen Charakter, dadurch dass auch wir uns mit dem Psalmist identifizieren können. Sie umfassen eine Bandbreite, die vom Bekenntnis, Flehen und Lobpreis bis hin zur Lehre, Geschichte und Prophetie reicht.

Wer hat die Psalmen geschrieben?

Man denkt oft an David, wenn man eine pauschale Antwort geben will. Obwohl es stimmt, dass David viele der Psalmen geschrieben hat, ist er nicht der einzige Autor. Die Psalmen wurden durch verschiedene Personen, zu unterschiedlichen Zeiten (von Mose bis nach der babylon. Gefangenschaft) und in den unterschiedlichsten Umständen verfasst. Alle Autoren wurden dabei durch den Heiligen Geist dazu bewegt.

73 Psalmen werden David zugeschrieben, weil sein Name in dem Titel erwähnt wird.
12 wurden vom Vorsänger Asaf geschrieben
12 wurden von den Söhne Korachs verfasst
Unter den Autoren sind auch Mose und Salomo. Viele Psalmen sind von unbekannten Autoren geschrieben worden.

Gliederung des Psalters

Der Psalter wurde von den Juden in fünf Bücher eingeteilt, wobei jedes Buch mit einem Loblied endet:

  • Die zwei ersten Psalmen bilden das, was man den Proömium nennt.
  • Das erste Buch umfasst die Psalmen 1 bis 41. Es besteht fast auschließlich aus Davidpsalmen (3-14; 15-24; 25-34; 35-41).
  • Das zweite Buch besteht aus den Psalmen 42 bis 72. Dadrin sind Korachpsalmen (42-49), Asafpsalm (50)und wieder Davidpsalmen (51-72).
  • Das dritte Buch beinhaltet die Psalmen 73 bis 89. Das sind Asafpsalmen (73-83) und Korachpsalmen (84-85, 87-89). Wir finden einen einzigen Davidpsalm (86).
  • Das vierte Buch besteht aus den Psalmen 90 bis 106. Psalmen 90-92 nennt man Mosekomposition. Die Psalmen 93 bis 100 sind die sog. königlichen Psalmen. Die Psalmen 101 bis 106 sind eine Davidkomposition.
  • Das fünfte Buch umfasst die Psalmen 107 bis 145. Der erste (107) und der letzte Psalm (145) sind Lobpsalmen. Wir finden wieder Davidpsalmen (108 f. und 138-145). Dann haben wir auch Torapsalmen (111 f., 119), den Pessach-Hallel (113-118) so wie Wallfahrtspsalmen (120-137).
  • Die Psalmen 146 bis 150 bilden den Schluss-Hallel (10faches Hallelujah).

Klassifikation der Psalmen

Ist es möglich, die Psalmen nach Kategorien zu gliedern? Hermann Gunkel hat einen interessanten Versuch gemacht. Er gliedert die Psalmen in 5 Gruppen:

1. Hymnen

Es gibt zuerst allgemeine Hymnen (Psalm 8; 19; 29; 33; 65; 67; 68; 96; 98; 100; 103; 104; 105; 111; 113; 114; 117; 135; 136; 139; 145-150.). Sie fangen mit einem Ruf zur Anbetung. Sie erwähnen dann Gründe, warum man Gott loben soll. Sie enden mit einem erneuten Ruf zum Lob Gottes.
Die Zionshymnen (Psalm 46; 48; 76; 84; 87; 122.). Thema dieser Psalmen ist Jerusalem, die Stadt Gottes. Der Psalmist wünscht, dass sie Gottes Segen empfängt.
Hymnen der Inthronisation Jahwes (Psalm 47; 93; 96:10-13; 97; 99). Thema dieser Psalmen ist, dass Gott als König  über Israel und die Nationen herrscht.

2. Klagepsalmen

Die Psalmen umfassen gemeinschaftliche Klagelieder (Psalm 44; (58); (60); 74; 79; 80; 83; (106); (125)) sowie individuelle Klagelieder. Bei den individuellen Klageliedern unterscheidet Hermann Gunkel zwischen allgemeinen Psalmen (Psalm 3; 5; 6; 7; 13; 17; 22; 25; 26; 27:7-14; 28; 31; 35; 38; 39; 42-43; 54-57; 59; 61; 63; 64; 69; 70; 71; 86; 88; 102; 109; 120; 130; 140; 141; 142; 143), Psalmen, wo der Psalmist seine Unschuld beteuert (Psalm 5; 7; 17; 26), Psalmen, wo er seine Sünden bekennt (Psalm 51; 130), Rachepsalmen wie Psalm 109 und Vertrauenspsalmen (Psalm 4; 11; 16; 23; 27:1-6; 62; 131).

3. Königliche Psalmen

Das sind die Psalmen 2; 18; 20; 21; 45; 72; 101; 110; 132; 144:1-11; cf. 89:47-52. Zentrales Thema dieser Psalmen ist der König Israels. Sie können unterschiedlicher Gattungen gehören aber es geht immer um das Haupt des Volkes. Hinter dem König profiliert sich selbstverständlich Christus der Messias.

4. Dankpsalmen

Es geht in diesen Psalmen um persönliche Danksagung (Psalm 18; 30; 32; 34; 40:2-12; 41; 66:1-7; 92; (100); (107); 116; 118; 138) aber auch um Danksagung der ganzen Gemeinde (Psalm 66,8-12; 67; 124; 129).

5. Weisheitspsalmen

Das sind die Psalmen 1; 37; 49; 73; 91; 112; 127; 128; 133. Ihr Thema ist die Furcht Jahwes wie z.B. im Buch der Sprüche.

Neben diesen 5 Gruppen sieht Gunkel noch 5 weiteren Typen, die aber keine eindeutige Zuordnung ermöglichen:

  • Wallfahrtslieder wie der Psalm 122;
  • Psalmen, die auf alten Erzählungen basieren (Psalms 78; 105; 106);
  • liturgische Psalmen (Psalms 15; 20; 24; 14/53; 66; 81; 82; 85; 95; 107; 115; 118; 121; 126; 132; 134.);
  • sonstige Psalmen (Psalms 36; 50; 52; 75; 82; 108.)
  • sowie Psalmen mit gemischtem Inhalt (Psalms 9-10; 12; 77; 90; 94; 119; 123; 137.)

Schlüsselthemen in den Psalmen

Die Psalmen sind das Liederbuch des Volkes Gottes. Sie sollen unsere Anbetung unterstützen. Dabei schöpfen sie ihre Themen aus der Theologie des Alten Testaments:

  1. Gott ist der einzig wahre Gott. Er ist der allmächtige Schöpfer. Er ist vollkommen gut und gerecht. Wer sich an ihn wendet, muss wissen, dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn gibt (Hebr. 11,6)
  2. Schöpfung und Fall. Gott hat alles gut erschaffen, aber durch den Sündenfall wurde viel zerstört. Von daher kommt das ganze Leid. Wer auf Gott hofft, erfährt seine Barmherzigkeit.
  3. Erwählung und Bund. Der einzig wahre Gott hat ein Volk für sich selbst erwählt und einen ewigen Bund mit diesem Volk geschlossen. Gottes Ziel ist, dieses Volk zu retten und sich der ganzen Welt durch seine Erwählten zu offenbaren.
  4. Zugehörigkeit zum Bund und Selbstverantwortung. Das Thema des Bundes ist extrem wichtig in den Psalmen. Im Rahmen dieses Bundes bietet Gott seinem Volk seine Gnade an: sie umfasst die Vergebung ihrer Sünden, die Gestaltung ihres Lebens, so dass sie seine Herrlichkeit widerspiegeln und die Heiden zum Heil führen. Jeder Mitglied des Bundes ist verantwortlich, diese Gnade vom Herzen zu empfangen: an die Verheißungen zu glauben, die Gebote Gottes zu halten.